Wie viel Hygiene ist wirklich noch gesund?

30. Jun 2019 | Gesundheit

Ein gewisses Grad an Sauberkeit und Hygiene ist wichtig – sicher.

Aber: Müssen wirklich unsere Wäsche porentief rein, das Waschbecken blitzeblank, der Fußboden picobello  sein? Vor allem: Müssen wir wirklich unsere Hände mehrmals am Tag waschen und den Mund desifizieren?

Wir waschen unser Obst, bevor wir es verzehren. Dies macht Sinn, wenn unser Obst mit Pestiziden behandelt wurde und eine lange Strecke braucht, bis es auf unserem Teller landet. Das Ost aus Omas Garten auf dem Land können wir einfach pflücken und essen. Es schmeckt herrlich. Wer einmal frisch gepflückte Erdbeeren gegessen hat, mag die behandelten aus dem Laden nicht mehr. Also, da macht es großen Sinn, die Giftstoffe tatsächlich vorher abzuspülen. Bevor wir das Obsttück in den Mund schieben. Wir bekommen zwar nicht alle Giftstoffe wegespült, jedoch die meisten. Mit dem Rest muss unser Körper fertig werden.

Wie aber ist es mit unserer Körperhygiene?

Unsere Haut  hat einen bestimmte PH-Wert. Wenn wir sie ständig waschen, trocknet sie aus und kann diesen PH-Wert nicht mehr halten. Hautprobleme stellen sich ein. Bei Ärzten und dem Pflegepersonal in Krankenhäusern und Pflegeheimen können wir sehr gut die Folgen von ständigem Händewaschen und vor allem ständiger Händedesinfektion sehr schön beobachten. Diese Menschen leiden sehr häufig an Ekzemen der Haut. Es sind juckende Rötungen, Schwellungen und Schuppungen der Haut. Diese verschwinden wieder, wenn der Mensch sein Verhalten ändert. Genauso wie ständiges Händewaschen und das Desinfizieren der Hände sind mehrmaliges Duschen und Haarewaschen „Gift“ für unseren Körper. Das erfährt jeder, der einmal am Meer Urlaub macht und täglich mehrmals seine Haare wäscht, weil sie voller Meerwasser sind. Das bloße Ausspülen mit „süßem“ Wasser ist meist besser als das tägliche Schamponieren.

Noch schlimmer jedoch ist das tägliche Desinfizieren des Mundes!

Jedoch genau das, meinen viele Menschen tun zu müssen und tun es auch ganz fleißig indem sie desinfizierende Mundspüllpsungen verwenden. Dass diese jedoch viel zu scharf sind und sie dadurch täglich ihre Mundflora zerstören, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Auch ihre Empfindlichkeiten an den Zähnen und am Zahnfleisch setzen sie gar nicht in Bezug zu diesem Verhalten.

Geht es Dir ebenso?

Weißt Du eigentlich, dass Du ein Mikrobiom bist?

 

Was ist ein Mikrobiom?

Das Mikrobiom ist die Gesamtheit aller Bakterien und Organismen in und an unserem Körper. Das Mikrobiom ist bei jedem individuell und gleicht einem Fingerabdruck. Der Mensch ist etwa von 100 Billionen Bakterien besiedelt. Die meisten befinden sich im Magen-Darm-Trakt. Aber auch auf den Schleimhäuten und der Haut. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Mundschleimhaut. Bekanntlich gelangen Substanzen über diese in Sekundenschnelle in die Blutbahn.

Ohne die  Billionen von Mikroben, die in und an unserem Körper leben, könnten wir nicht leben. Wir könnten wichtige Nährstoffe nicht abbauen, viele Signale nicht verarbeiten und unser Immunsystem würde nicht arbeiten.

Unser Immunsystem befindet sich in einem ständigen Balanceakt zwischen Abwehr und Toleranz.

Diesen Balanceakt kann das Immunsystem nur mit Hilfe von einem funktionierendem  Mikrobiom stemmen.

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, das Mikrobiom zu schützen!

Bereits Veränderungen des Mund-Mikrobioms können zu Störungen in der Verdauung führen.

 

Was bedroht das Mikrobiom?

  • Die größte Bedrohung ist der Gebrauch von Antibiotika. Antibiotika unterscheiden leider nicht zwischen den guten und den schlechten Bakterien.
  • Durch eine ständige Desinfektion des Mundraumes werden wichtige Bakterien abgetötet.
  • Zahnpflegeprodukte, die ein saures Milieu hinterlassen (Das sind alle Produkte auf chemischer Basis, mit Tensiden, künstlichen Aromen und Schäumern)
  • Auch Dein Zahnarzt zerstört das Mikrobiom in Deiner Mundhöhle, wenn er desinfizierende Spüllösungen verwendet, zum Beispiel während einer professionellen Zahnreinigung chemische Desinfektionsmittel verwendet.

Die Bakterienflora den Mundes steht in direkter Beziehung zur Bakterienflora des Darmes

Unser Darm ist unser wichtigstes Immunorgan. Es ist daher immens wichtig seine Bakteienflora zu schützen.

Er ist ein wichtiges Bindeglied zwischen der Außenwelt und der Innenwelt. Um die ständige Bedrohung von Außen beherrschen zu können, verfügt er über ein gestaffeltes Abwehrsystem, welches aus Mikroflora, Schleimhauepithel und dem darmassoziierten Immunsystem besteht.

Die gesunde Darmflora eines Erwachsenen umfasst gut 100 Billionen Keime. Dies ist 10x mehr als die Gesamtheit aller Körperzellen. Es sind 400 bis 500 verschiedene Keimarten. Diese Zahl ist individuell unterschiedlich. Es ist auch nicht entscheidend wie viele Keimarten ein Mensch besitzt, sondern die Funktion, die die Darmflora als Ganzes erfüllt. Eine wesentliche Funktion ist die optimale Energieversorgung des Darmepithels. Die zweite Funktion ist die Bildung einer mikrobiellen Barriere gegen Krankheitserreger. Die Mikroorganismen bauen die nicht verwertbaren Ballaststoffe in kurzkettige Fettsäuren und Milchsäure um und erhalten daraus die notwendige Energie.

Im Darm besteht ein ständiger Kampf zwischen der physiologischen und der pathogenen Darmflora um Lebensraum und Nährstoffe.

 

Symptome einer gestörten Darmfunktion:

In Wirklichkeit haben die meisten von uns eine gestörte Darmfunktion. Es ist uns nur nicht bewußt. Es ist für uns normal, einen Blähbauch, ein Völlegefühl, ab und zu Durchfall oder Verstopfung zu haben. Dass dies Zeichen unseres Körpers sein könnten, die uns auf ein Ungleichgewicht hinweisen, kommt uns meist gar nicht in den Sinn. Nach dem Motto „das vergeht schon wieder“ machen wir einfach weiter, bis es tatsächlich eines Tages wirklich nicht mehr geht.

Leider werden diese Symptome oft nicht ernst genommen und sind so weit verbreitet, dass sie gar nicht als Krankheitssymptome wahrgenommen werden.

Die Verschlechterung der Darmfunktion verläuft meist schleichend. Ernährungsbedingt kommt es mit den Jahren zu einer Milieuveränderung im Darm. Eine Änderung des Darmmilieus führt jedoch zu einer Änderung der Bakterienflora. Bakterien, die sich in diesem neuen Milieu wohl fühlen, vermehren sich und bekommen schließlich die Oberhand. Es kommt zu einer Vermehrung pathogener Keime. Diese siedeln sich mehr und mehr in der Darmschleimhaut an und verändern diese schließlich. Dies führt mit der Zeit zum Verlust der Abwehrzone.

Der Darm umfasst noch die zweite, dritte und vierte Abwehrzone. Mit jeder weiteren Störung und Missachtung der Symptomatik werden das Darmmilieu und schließlich die Darmwand zerstört.

Es sind jedoch nicht nur die falschen Bakterien und Keime, mit denen wir unser Milieu im Darm zerstören

Folgendes kommt noch hinzu:

Durch die Einnahme von:

  • Arzneimittel
  • Nahrungsmittelzusätze
  • Denaturierte Nahrungsmittel
  • Konservierte Nahrungsmittel
  • Zu viel tierisches Eiweiß
  • Genussgifte: Zucker, Kaffee, Alkohol, Nikotin

Es ist wichtig und für viele Regenerationsvorgänge unentbehrlich, den Darm regelmäßig zu Reinigen.

Im Ayurveda ist  die Darmreinigung das normalste und wichtigste überhaupt. Sie wird im Rahmen der Panca-Karma-Kur durchgeührt. Aus irgendeinem Grund ist dies in unserer Gesellschaft ein Tabuthema geworden. Ich halte es für ganz wichtig, dieses Thema aus dieser Ecke wieder herauszuholen. Wirklich wirkungsvoll für den gesamten Organismus ist es, eine Darmsanierung oder Darmkur einmal im Jahr durchzuführen, Denn in unserer Gesellschaft fällt es uns meist nicht einfach, auf viele Genussgifte, die den Körper belasten zu verzichten. Eine solche Darmkur ist wie ein Reset im Organismus.

Stell Dir vor, Du bist eine Biotonne und musst ab und zu den ganzen Plastikmüll entsorgen, der in Dich hineingeworfen wurde.

Manchmal hilft nur noch eine Darmsanierung.

Auch diese ist gar nicht so dramatisch, wie sich manch einer vorstellt. Sie ist nur zeitaufwendig. Darmsanierung bedeutet die Wiederherstellung des physiologischen Darmmilieus. Dieser Prozess ist langwierig und kann gerne zwei Jahre dauern. Dabei kommt der Ernährungsumstellung ein besonderer Stellenwert zu. Unsere Zivilisationskost beinhaltet ein Zuviel an tierischen Eiweiß und ein Zuviel an hocherhitzten und präparierten Nahrungsmitteln. Sie ist zu sauer und vitalstoffarm. Bei der Wiederherstellung einer gesunden Darmflora ist daher genau das Gegenteil zu tun. Zusätzlich sind Störfelder wie Zahnherde, Metalle im Mund (besonders Amalgam) aber auch psychische Belastungen zu beseitigen.

 

 Hier einige Tipps für darmfreundliches Verhalten:

  • möglichst auf präparierte Nahrungsmittel verzichten
  • möglichst auf tierisches Eiweiß verzichten (Milch, Joghurt, Käse, Quark)
  • Darauf achten, dass die Speisen einen hohen Gemüseanteil enthalten
  • möglichst wenig Backwaren verspeisen
  • keinen/wenig Zucker aufnehmen
  • Alkohol meiden
  • Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2-3 l Wasser/Kräutertees) achten
  • Täglich moderate Bewegung in den Tag einbauen
  • Darauf achten, den Mund mit basischen Zahnpflegeprodukten zu Reinigen
  • Keine scharfen und desinfizierenden Mundspüllpsungen verwenden

Podcastfolge zum Blogbeitrag

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.