Wie wichtig ist Dein Bauch-Gehirn?

11. Aug 2019 | Achtsamkeit, Energie, Erfolg, Ernährung, Gesundheit, Vitalität

Aussagen wie „Höre auf Dein Bauchgefühl“ und „Es muss sich vom Bauch her gut anfühlen“ kennen wir alle. Was aber bedeutet das? Welche Bedeutung hat unser Bauchgefühl tatsächlich? Ist es nicht nur Gefühlsduselei? Wir sind es gewohnt, unser Hirn einzuschalten, aber das bitte soll das „Bauch-Gehirn“ sein?

Tatsächlich wird unserem Bauch-Gehirn immer mehr Bedeutung zugesprochen.

Das ist jedoch kein neuer Trend, keine Modeerscheinung. Denn im Ayurveda spielte der Darm schon immer die entscheidende Rolle, und diese Medizin ist immerhin über 5 Tausend Jahre alt.

Bereits Hippokrates sagte: „Alle Krankheiten beginnen im Darm.“

Obwohl lange Zeit stark vernachlässigt, rückt der Darm immer mehr in den Vordergrund auch unserer heutigen Gesellschaft. Längst wissen auch wir, dass der Darm nicht nur ein langer Schlauch ist, der Nachrungsrückstände eindickt und ausscheidet. Wir wissen, dass der Darm viele Funktionen hat und direkte Nervenverbindungen zum Gehirn bestehen. Es sind viel mehr Verbindungen als jedes andere Organ hat. Unser Darm „weiß“ viel mehr von uns als wir ahnen, beschäftigt er sich doch mit allen, was wir in unseren Körper hineingeben. Damit meine ich nicht nur die Nahrung, die wir herunterschlucken sondern auch die Gefühle, die wir haben. Jeder kennt das: Es steht eine Prüfung an und wir haben einen flauen Magen. Sensible Personen müssen ständig auf die Toilette laufen, wenn sie aufgeregt sind.

 

Wie kann es sein, dass unser Darm derart auf unsere Gefühle reagiert? 

In der Darmschleimhaut befinden sich unzählige Nervenfasern. Es ist ein enges Nervengeflecht. Kein anderes Organ beinhaltet eine dermaßen hohe Anzahl an Nervenverbindungen. Über dieses Nervengefecht sendet der Darm unentwegt unzählige Informationen an das Gehirn. Darüber hinaus ist der Darm direkt mit dem Vagusnerv verbunden. Der Vagus versorgt das limbsche System, also unser Emotionszentrum. So kommt es, dass unser Bauch-Hirn vor dem Kopf-Hirn über uns Bescheid weiß. So hat der Darm einen direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden, unsere Zufriedenheit und unsere mentale Stärke. Forscher haben mittlerweile festgestellt und bewiesen, was der Ayurveda schon lange weiß: Viele psychische Erkrankungen werden durch eine gestörte Darmflora hervorgerufen bzw. beeinflusst. Aus diesem Grund bietet der Ayurveda eine spezielle Ernährung für psychische Erkrankungen an. 

 

In keinem anderen System wird der Verknüpfung zwischen dem Gehirn, der Psyche und dem Darm eine solche hohe Bedeutung gegeben.

Im Ayurveda steht daher die Funktion des Darms im Fokus. Nahezu alle Bemühungen im Ayurveda basieren darauf, eine gesunde Darmflora und eine gesunde Darmfunktion aufzubauen. Es ist wichtig, dass das Verdauungsfeuer – das Agni – immer stark genug ist. Nur dann kann unser Darm die Nahrung, die wir aufgenommen haben zerkleinern und die Nährstoffe aufnehmen. Was nützen die besten Vitamine, wenn der Darm diese nicht aufnehmen kann?

 

Um seine vielfältigen Funktionen zu erfüllen, ist eine bestimmtes Milieu im Darm erforderlich. Ähnlich wie die Pflanze bestimmte Voraussetzungen im Boden vorfinden muss, damit sie gedeihen kann, müssen auch im Darm bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Wir sprechen dann von einem gesunden Mikrobiom.

In Wirklichkeit besteht der Mensch aus über 100 Billionen Mikroorganismen und Bakterien. Die meisten Mikroorganismen befinden sich in unserem Darm und auf unserer haut und Schleimhaut. Unser Mikrobiom umfasst also alle Mikroorganismen, die in und auf uns leben. Dabei ist das Mikrobiom eines jeden Menschen individuell, gleichsam einem Fingerabdruck. Wir benötigen diese Mikroorganismen für viele Vorgänge in unserem Körper. Dieses Mikrobiom ist zuständig für unseren Energiehaushalt, das Immunsystem und somit für unser Wohlergehen. Kommt unser Mikrobiom aus dem Gleichgewicht, kann unser System durch vielfältige Regelkreise die meisten Funktionen aufrechterhalten, jedoch: Irgendwann geht auch dies nicht mehr. Irgendwann brechen auch diese Regelkreise zusammen und wir werden ernsthaft krank. Dies geschieht dann, wenn wir unseren Körper dauerhaft mit ungeeigneter und ungesunder Nahrung versorgen, wenn wir ihm nicht genügend Nährstoffe liefern und wenn wir ihm schlechte Lebensbedingungen vorsetzen.

 

Diese Aufgaben hat unser Mikrobiom:

  1. Es sorgt für einen guten Stoffwechsel durch eine vollständige Verdauung und Aufnahme der Vitalstoffe.
  2. Aufnahme der Nährstoffe.
  3. Ausbildung des Immunsystems. Es muss ständig geprüft werden, ob eine bestimmte Substanz gut oder schlecht für unser System ist.
  4. Schutz vor schädlichen Mikroorganismen und Bakterien durch Schutz der Darmwand.
  5. Schutz der Leber in ihrer Entgiftungsfunktion.
  6. Bildung von wichtigen Botenstoffen für die Zellkommunikation, auch im Nervensystem.
  7. Ausscheidung nicht brauchbarer Substanzen.

 

Solche schlechten Lebensbedingungen für unseren Darm sind:

  • Dauerstress
  • Zu wenig Flüssigkeit
  • Mangelnde Bewegung

Zu einer Verschiebung in unserem Mikrobiom kommt es schleichend. Leider übersehen wir häufig die Symptome, unterdrücken sie oder meinen, sie gehören zu unserem Leben einfach dazu.

 

Symptome, die der Darm uns liefert, wenn das Mikrobiom nicht mehr stimmt sind Folgende:

  • Blähungen, Völlegefühl
  • Sehr eindringlicher, fauliger Geruch
  • Verstopfung
  • Durchfall
  • Schmerzen
  • Häufige Infekte
  • Allergien
  • Autoimmunerkrankungen

Wenn die Verdauung unvollständig ist, entstehen Sottwechselrückstände, im Ayurveda werden diese Ama genannt. Diese Rückstände kann man sich bildhaft als das Unverdaute vorstellen. Ich beziehe diesen Begriff gerne auf das materielle Unverdaute aber auch auf das psychisch Unverdaute. Das Ama sammelt sich überall in unserem Körper an, in den Blutgefäßen, im Darm, in verschiedenen Organen und sorgt für Funktionsstörungen. Wenn wir diese Rückstände (ganz gleich welcher Art) nicht beachten, haben sich irgendwann so viele angehäuft, dass wir diese nicht mehr übersehen können. Dann haben wir eine ernsthafte Erkrankung. Im Ayurveda ist das Ama die Ursache jeder Erkrankung.

 

Ursachen für Ama

  • ungesunde Ernährung
  • Ungesunde Lebensgewohnheiten
  • Stress
  • Negative Gefühle: Sorgen, Wut, Kummer
  • Alkohol, Nikotin
  • Medikamente 

 

Mit diesen Symptome macht unser Körper uns auf zu viel Ama aufmerksam:

 

  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Zungenbelag
  • Mundgeruch
  • Starker Körpergeruch
  • Häufige Infektionen
  • Pilzerkrankungen
  • Probleme beim Stuhlgang
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Hautprobleme
  • Brüchige Nägel
  • Kopfschmerzen
  • Diffuse Beschwerden auf den Körper verteilt

Podcastfolge zum Blogbeitrag

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.